Text und Foto: H. Birkenheuer

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5. 1   Die Lagerlogistik des ersten Standlagers

Das erste römische Feldlager an der Erftmündung war eine weit vorgerückte römische Basis am Ende einer langen Aufmarschlinie. Von dieser ersten Sicherheitsschanze der römischen Vorhut gibt es - wegen der mehrfach genutzten Fläche – nur wenig verwendbare Rückstände für eine Rekonstruktion. Wenn die vorhandenen Teilbereiche des doppelten Lagergrabens vervollständigt werden, kann die Größe und Form des gesicherten Areals nachvollzogen werden.
Die Lagersicherung und eine mögliche Belegung ist nur über eine Simulation zu ermitteln. Eine minimale Besetzung ist nachvollziehbar, wenn die Anzahl der Legionäre zugrunde gelegt wird, die für den Wachdienst auf der rund 2.000 Meter langen Lagerumwehrung zur Verfügung stehen mussten. Die Anzahl der möglichen Insolae innerhalb der Lagerumwehrung geben Auskunft über eine maximale Belegung.
Nach den Untersuchungen einer möglichen Lagerausführung gab es Platz für ca. 36 Insolae, auf der bis zu 3.000 Infanteristen und 500 Kavalleristen lagern konnten. Das vorgerückte Feldlager wurde wahrscheinlich nur in den Sommermonaten benutzt. Eine zurückgelassene Lagerwache während der schlechten Jahreszeit war zu Anfang nicht erforderlich, weil das Lagerareal nur aus einem Grabensystem und einem aufgeworfenen Wall bestand. Die während der Abwesenheit der Legionäre enstandene Schäden konnte bei der Wiederbesetzung schnell instand gesetzt werden. Wenn eine Lagerwache jedoch über Winter stationiert blieb, so kampierten die Legionäre nicht in ihren Lederzelten sondern in strohgedeckten einfachen Hütten.
Die erste Lagersicherung konnte nur aus Materialien bestanden haben, die man am neuen Standort vorfand. So ist anzunehmen, dass nur Erde, Grassoden und geflochtenes Astwerk verwendet wurden. Erst mit einem funktionierenden Nachschub und einer größeren Stammbesatzung konnte das Lager aufwendiger hergerichtet werden.


Als Stammbesatzung des ersten Lagers könnten mehrere - 500 Mann zählende - auxiliare Einheiten, die zu 2/3 aus universal einsatzbaren Fußtruppen und 1/3 Reitern bestanden haben. Die schwerbewaffneten Fußsoldaten konnten für die verschiedensten Aufgaben als Kämpfer und Wachsoldat, als Pionier und bei Bedarf als Handwerker eingesetzt werden.
Die Lagerflächen für eine 500 Mann starke Cohors waren festgelegt, so dass über eine Addition der Lagerflächen die maximale Anzahl der stationierten Fußsoldaten und Reiter ermittelt werden können.


Römische Legionäre der Neuzeit

Mitglieder der Römerkohorte Opladen

Die Reitereinheiten, die tagsüber als Kundschafter unterwegs waren, benötigten für die Nacht einen sicheren Lagerplatz für sich und ihre Pferde. Ähnliches galt auch für den ständig wechselnden Tross, der für den Nachschub für das Lager zuständig war, den ohne Versorgung aus dem gesicherten Hinterland war das neue Feldlager nicht zu halten.